Kultur

Einen Fehler, den viele Karatetreibende häufig machen, wenn sie versuchen die technischen Unklarheiten aufzuklären, welche die Anwendungen der früheren Karatepraktiken umgeben, ist der, dass sie sich auf Annahmen und Aussagen aus der Gegenwart verlassen. Dies ist der Grund, warum es so wichtig ist, die Geburt und die Evolution dieser wundervollen Kunst zu studieren, wenn man vergleichende Analysen durchführen will. Eines der faszinierendsten Dinge der Erforschung der Vergangenheit und Entwicklung dieser wundervollen Tradition ist wie viel man über die Kultur, die Philosophie und die Menschen, die eben diese Tradition geprägt haben, erfahren kann. Dadurch enthüllt sich eine Botschaft wichtigeren Umfangs. Was könnte unser umfassendes Verständnis des Karate mehr verbessern als in den Fußstapfen derjenigen zu wandeln, die für seine Entwicklung verantwortlich waren? Denn wir sind doch heute nur so weit in dieser Kunst fortgeschritten, weil wir „auf den Schultern von Giganten stehen“ (Zitat Patrick McCarthy).

Mit diesen Giganten sind Meister gemeint wie Motobu Choki (1871–1944), Kojo Taite (1837–1917), Aragaki Seisho (1840–1920), Xie Zhongxiang alias Ryu Ruko (1852–1930), Zhou Zihe alias Shushiwa (1874–1926), Wu Xianhui alias Gokenki (1886–1940), Tang Daiji (1887–1937), Higashionna Kanryo (1853–1917), Uechi Kanbun (1877–1937), Kyoda Juhatsu (1886–1967), Miyagi Chojun (1888–1953) und Miao Xing (1881–1939) um nur einige der imposantesten Pioniere zu nennen. Ich muss versuchen zu erfahren wie diese Männer gelebt haben, was sie gedacht haben um ergründen zu können, welche Bedeutung hinter der Ausführung ihrer Techniken steht.

Mit dieser Aussage trete ich all denen entgegen, die behaupten, dass die Beschäftigung mit der Historie des Karate nur schmückendes Beiwerk sei, wichtiger sei das Wissen um Anatomie, Biomechanik etc. pp., diese Herren müssen sich aber dann der These stellen, dass sie vielleicht doch nur Sport-Karate trainieren.

Natürlich gehört dies ebenfalls dazu und sollte auch auf keinen Fall vernachlässigt werden, das gleiche gilt dann aber natürlich auch für die Beschäftigung mit der Geschichte und der Kultur der Länder, welche für die Entstehung des Karate verantwortlich sind. Denn wenn ich darauf verzichten würde, müsste ich mir die Frage gefallen lassen warum ich beim Training überhaupt einen Gi trage oder warum, wenn auch in vielen Fällen oftmals nur sehr rudimentär, japanische/okinawanische Ausdrücke benutzt werden.

Ich höre jetzt schon den nächsten, mir durch reales Erleben durchaus bekannten, Einwand: „Du müsstest eine Zeitmaschine haben, um wirklich alles über diese Männer zu erfahren!“ – Nein, muss ich nicht. Ich muss nur mit den richtigen Leuten sprechen , dies impliziert dann natürlich auch, das ich eventuell von meinem hohen Ross heruntersteige, meine Bequemzone verlasse und mich wieder in die Reihe der Lernenden stelle! Ich muss mir darüber hinaus die Zeit und die Geduld nehmen  entsprechende Literatur zu studieren, auch wenn sie nicht in meiner Muttersprache geschrieben ist.

 

Ryuko
miyagi02
motobu
Hgashionna
shushiwa02

Portrait Jörg04

Verfasser: Jörg Kuschel
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