Gibt es gefährliche Qigong-Lehrer?

Skrupellose Qigong-Lehrer können für das Wohlbefinden, die Gesundheit, den Intellekt und den Geist gefährlich sein!

Der Geist beeinflusst den Körper, und der Glaube versetzt Berge. Viele Leute hängen an den Lippen ihrer Qigong-Lehrer wenn diese von Reisen in andere Dimensionen, neuen Formen des Qigong, außergewöhnlichen Fähigkeiten u.ä. erzählen. Zwei „Meister“ können zwei völlig unterschiedliche Methoden und Interpretationen bevorzugen. Haben beide recht, haben beide einen Teil der Wahrheit oder unterliegen beide einer Täuschung? Soll man glauben, dass jedes Qigong System Millionen von Anhängern hat? Jeder Qigong-Lehrer oder jeder länger Praktizierende weiß, dass viele Ausübende nach kurzer Zeit aufgeben oder zumindest nicht regelmäßig üben. Kann man diese Art von Schülern als Anhänger bezeichnen?

Die Gefahr einer Schule anzugehören, die von einem selbsternannten Qigong-Meister geleitet wird, besteht darin, dass die Mitgliedschaft in solch einer Schule den Intellekt abstumpft. Viele Schüler in solchen Dagwan (Dojo) werden zu willenlosen Robotern und akzeptieren alles was der „Meister“ ihnen präsentiert als Wahrheit, statt Logik, Wissenschaft oder statistischen Methoden zu vertrauen. Ein Beispiel ist  die weit verbreitete Annahme, dass ein wahrer Qigong-Meister alle Arten von Krankheiten und Gebrechen heilen kann. Dies ist jedoch niemals verifiziert worden.

Es gibt viele Beispiele von Qigong-Meistern aus China, die gefälschte Photos, chemisch behandeltes Papier, welches Feuer fängt, und andere Jahrmarkttricks benutzen, um ihre Anhänger zu beeindrucken. Andere Phänomene können physisch oder physiologisch erklärt werden. In einem Fall, um einem Schüler glauben zu machen, er injiziere Qi, drückte der Meister ihm hart auf die Augäpfel. Dies rief auf der Netzhaut des Schülers Lichtblitze hervor, die als Qi-Fluß interpretiert wurden.

Falsches und exzessives Praktizieren von Qigong und Meditation kann Psychosen hervorrufen. Solche Fälle sind in einem Buch über so genannte „Kundalini-Erfahrungen“ dokumentiert. Im diagnostischen Handbuch der „American Psychatric Association“ existiert sogar der medizinische Begriff der qigong-psychotischen Reaktion. Die Gefahren des exzessiven Praktizierens ist auch in China bekannt. Dr. Zhang Tongling von der medizinischen Universität in Beijing fand in einer Studie mit 145 Personen heraus, dass fanatisches Qigong-Betreiben latente psychiatrische Probleme und Halluzinationen hervorrufen kann. Dr. Zhang Tongling setzt sich für die Eröffnung einer Klinik für obsessiv Qigong-Praktizierende ein.

Qigong kann zur Sucht führen. D.h., dass der Ausübende bzgl. seiner normalen Tagesaufgaben einen totalen Kontrollverlust erfährt, weil er nur mit der Ausübung von Qigong-Übungen beschäftigt ist. Darüber hinaus kann es bei übertriebener, maßloser Ausübung zu Anfällen kommen, welche jedoch oft von Meistern als eine Form von religiöser Ekstase gedeutet werden. Falsche Ausübung oder die falsche Art des Qigong kann eine Menge physischer Probleme hervorrufen, wie z.B.: Haarausfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot etc.

Zurück zu den skrupellosen Qigong-Lehrern. Interessant sind in unserem Fall diejenigen, welche von sich behaupten, sie wären in der Lage Leute ohne physischen Kontakt zu bewegen, d.h. zu „pushen“. Deren Technik wirkt jedoch nur an ihren eigenen Schülern oder anderen Schülern, die leicht beeinflussbar sind oder grundsätzlich an solche Dinge glauben. Von den Leuten die von ihnen nicht „gepusht“ werden können, behaupten die selbsternannten „Meister“, dass diese nicht offen sind, das Qi zu absorbieren und krank werden, wenn man trotzdem versuchen würde sie zu „pushen“. Meister der „leeren Kraft“ behaupten von sich, dass sie in der Lage seien 3, 6 oder 10 Leute kontaktlos zu „pushen“.

Einige Schüler solcher Meister sagen selbst, dass sie nichts spüren würden, aber trotzdem reagierten, um dem Meister Respekt zu zollen. Andere meinen sie fühlten das Qi kommen und sprängen zur Seite, um unliebsame Auswirkungen zu vermeiden. Erklären lässt sich diese Reaktion auch durch die so genannte Erwartungshaltung: „...wenn mein Meister das kann, bringt er mir dies bei und ich kann es auch eines Tages, also muss er das einfach können, sonst lerne ich ja nichts und wenn ich nicht springe, heißt das ja der Meister kann es nicht und....!“ und schon sind diese Schüler in ihrem eigenem Treppenwitz gefangen. Die Gefahr in dieser Art des Trainings liegt darin, dass einige Schüler glauben, solche Techniken seien gut für die Selbstverteidigung.

Was macht ein Meister der „leeren Kraft“ überhaupt? Wenn er wirklich in der Lage ist Kraft freizusetzen, dann sollte er in der Lage sein, einen Stuhl zu „pushen“. Bisher hat dies kein Meister der „leeren Kraft“ vollbracht.

Eine Erklärung wäre die, dass das freigesetzte Qi des Meisters Informationen enthält, die wiederum das Kontrollsystem der Körper beeinflussen kann, was daraufhin zu Bewegung führt.

Diese Hypothese zu überprüfen ist nicht einfach. Es ist notwendig Personen zu finden, welche nicht mit irgendwelchen Qi-Erfahrungen behaftet sind. Sie sollten keine Idee haben, worum es in diesem Experiment geht. Die Versuchspersonen werden durch eine „Oneway Screen“ vom Meister getrennt, so dass sie nicht sehen können was der so genannte Meister der „leeren Kraft“ macht, wenn er sein Qi aussendet.

Der Meister sollte nun instruiert werden, ausgesuchte Subjekte dieser Gruppe hinter der Scheibe in zufällig gewählte Richtungen zu bewegen (Norden, Süden, Osten, Westen etc. pp.). Zur Bestimmung der Richtungen sollte ein Zufallsgenerator benutzt werden. Abschließend sollten seine Erfolge und Misserfolge aus Tausenden von Versuchen aufgezeichnet und die Ergebnisse von einem Statistiker analysiert werden.

Erle Montaigue, m.E. der qualifizierteste Lehrer und Forscher auf den Gebieten Taiji, Bagwa, Qigong, Dim Mak, hat schriftlich dazu aufgefordert, dass jeder Meister der „leeren Kraft“ versuchen kann ihn kontaktlos zu bewegen. Erle wartet heute noch!

Wie auch immer, um Qigong zu lernen bedarf es eines qualifizierten Lehrers und keines Scharlatans. Einige Qigong-Übungen können unliebsame Reaktionen hervorrufen und dann bedarf es der Unterstützung eben dieser qualifizierten Lehrer um diese Reaktionen zu überwinden. Letztendlich sollten wir nicht vergessen, dass der Mensch sich vom Tier durch die Intelligenz unterscheidet. Das bedeutet auch, dass die ultimative Autorität der Geist und nicht das Gefühl sein sollte.

 

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Verfasser: Jörg Kuschel
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